Geschichte

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Wie alles begann


In der Gemeinde Bodenkirchen, die etwas über 5000 Einwohner hat, war auch eine der größten Samengroßhandlungen Deutschlands ansässig. Zu den Produkten des Betriebes gehörten neben Samentüten, Blumenzwiebeln und landwirtschaftlichen Saaten auch Torfprodukte. Aufgrund der geänderten Umweltauflagen konnte Hans Maier in seinem bisherigen Abbaugebiet nichts mehr abbauen.
Am Rande eines CSU-Parteitages in München lernte er einen stellvertretenden Bürgermeister aus Moskau kennen, der ihm im Beisein des Landwirtschaftsministers versprach, sich um seine Belange zu kümmern, schließlich gäbe es in Russland jede Menge Torf.
Im Mai 1989 fand seine erste Reise nach Nowosibirsk statt. Bei der Besichtigung des Torfgebietes, ca. 150 km westlich, Nähe Tschulim, wurde er auf das Schicksal der Deutschen aufmerksam, von Stalin aus dem Wolgagebiet verschleppt.
Im Juli 1989 besuchte eine hochrangige Delegation den Landkreis Landshut, sodass der erste Kontakt hergestellt war. Und bereits im Dezember 1989 flog eine Delegation aus dem Landkreis Landshut, der auch der damalige Staatssekretär Herbert Huber und Landrat Ludwig Meyer angehörten, nach Nowosibirsk.
Bei diesem Besuch wurde erstmals der Wunsch nach einer Partnerschaft zwischen Nowosibirsk und Bodenkirchen geäußert. Aufgrund der nicht passenden Größenverhältnisse (1,5 Millionen Einwohner in Nowosibirsk gegenüber 5.000 Einwohnern in Bodenkirchen) wurde dies jedoch abgelehnt.
Bei weiteren 2 Begegnungen wurde der Wunsch nach Partnerschaft immer intensiver und gipfelte im September 1990 darin, dass der stellvertretende Landrat Josef Seidl ein Protokoll über eine Partnerschaftsabsicht zwischen dem Landkreis Landshut und dem Rayon Nowosibirsk unterzeichnen sollte.
Zuhause warteten dann verschiedene Schwierigkeiten auf die Teilnehmer der Reise: Es bestanden immer noch Zweifel wegen der großen Entfernung, des Sprachproblems und der Vergangenheit.
Im Kreistag begründete Ludwig Meyer die Entscheidung:
“Nach den Schrecken der beiden Weltkriege und nach 45 Jahren kaltem Krieg kann man diese ausgestreckte Hand nicht ausschlagen”.
Am 16. Januar 1991 wurde in einer Feierstunde zwischen Landrat Meyer und dem Hauptadministrator des Rayons Nowosibirsk, Anatolij Tschastikin, die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet.

Urkunde deutsch 1991

Wie es genau weitergehen sollte, wusste keiner.
Eine erste Aktion war Ende 1990 die Organisation eines Hilfstransportes nach Nowosibirsk, der sich mit 3 Lastzügen voll Lebensmitteln, Babynahrung und Kleidung auf den Weg machte.
Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion gelang es auch nicht mehr, Torfprodukte aus Sibirien zu erhalten. Hans Maier versuchte dann, Handwerkern aus Nowosibirsk ein dreimonatiges Praktikum bei uns zu ermöglichen. Es kamen Metzger, Bäcker, Mechaniker und andere, diein Betrieben des Landkreises aufgenommen wurden. Allerdings litten meisten unter Heimweh, sodass auch dieses Projekt keinen Bestand hatte.
Im Mai 1995 stürzte Hans Maier mit seinem Flugzeug ab und viele waren der Meinung, dass damit das Kapitel “Nowosibirsk” beendet sei. Doch mit einigen Gleichgesinnten, die meinten, es Hans Maier schuldig zu sein, für den Fortbestand der Partnerschaft zu arbeiten, ging es weiter.
Zur Unterstützung der Partnerschaft wurde 1997 der Verein “Freundeskreis Landkreis Landshut - Rayon Nowosibirsk e.V.” gegründet, der im Moment rund 75 Mitglieder hat
(siehe Satzung).
Ein Projekt, das durch Schulamtsdirektor a.D. Maximilian Sailer zustande kam, ist das Lehrerpraktikum
(siehe hierzu Projekte)
Bei der Umstrukturierung des Krankenhauses wurden beispielsweise ein Röntgengerät und eine große Röntgenanlage frei. Wir konnten dies unserem Freund Dr. Ortwin Bergen, Chefarzt in Krasnoobsk schicken. Auch 50 aussortierte Betten des Landshuter Klinikums konnten wir nach Nowosibirsk schicken.
Mehrern Ärzten aus Krasnoobsk konnten wir ein Praktikum in den Kreiskrankenhäusern ermöglichen.
Grosse Aufmerksamkeit widmeten wir auch dem Waisenhaus in Marusina. Es war in einem erbärmlichen Bauzustand, für dessen Verbesserung unser Verein unter Unterstützung des Landkreises einen erheblichen Betrag gespendet hat.
Ein weiteres Projekt ist die Zusammenarbeit mit der Akademie für öffentliche Verwaltung. Hier haben wir bereits einigen Studenten und Studentinnen ein dreiwöchiges Praktikum in den Gemeinden des Landkreises ermöglicht (siehe Fotoalbum).
Im Jahr 2001 machten sich die beiden Verwaltungsbeamten Klaus Hoffmeister und Thomas Schratzenstaller auf den Weg nach Nowosibirsk, um an der Akademie zu unterrichten
(siehe Pressespiegel)
Im kommenden Jahr möchten wir ein Archäologieprojekt durchführen und so werden wir auch in Zukunft vielfältige Aufgaben finden, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und die Partnerschaft lebendig zu gestalten.

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